Verein für Höhlenkunde in München e.V.

Toni Müller

beteiligt: Udo / Gerhard / Dieter / Johannes / Toni Text und Fotos: Toni / Helifotos: Gerhard

Das Forscherlager der Frankfurter Gruppe am Hundsschädel (Österreich) im Steinernen Meer (Ost) sollte komplett aufgelöst und vollständig geräumt werden. So wie im Genehmigungsverfahren vereinbart. Die Frankfurter HöFos waren sich einig geworden, dies in einem konsequenten Schnitt zu vollziehen. Die nötige Personaldecke für einen weiteren Betrieb des Lagers fehlte zunehmend.

Udo als Hauptorganisator des heiklen Papierkrames bis hin zur Fluggenehmigung (ca. alle 3 - 4 Jahre), wollte auch aus gesundheitlichen Gründen einen sauberen Schlußstrich ziehen. Dieter und die anderen Freunde aus der Frankfurter Gruppe hatten zudem sehr viel Arbeit und Aufgaben im >Herbstlabyrinth< in Breitscheit gefunden. Ich, war inzwischen mit knapp 71 Jahren längst über die Altersgrenze für die aktive Forschung in diesen luftigen Höhen von immerhin 2350 m SH geschlittert. Immerhin: Ich war von Anfang an mit dabei gewesen, in diesem Abschnitt einige Höhlen zu erforschen - am Brandhorn sogar seit 1972..... Die Elisabeth hatte seit ihrer Knie-OP ihrerseits Probleme damit, bei unseren elendiglichen Schleppereien dieses abgelegene BIWAK zu erreichen. Sie war immerhin auch fast 10 Jahre mit dabei gewesen!

Nun denn: Nach einem letzten Kampf mit reichlich Papierkram wegen der Fluggenehmigung wurde der Rückbau des Biwaks beschlossen. Es konnte losgehen....

Also: Udo war per PKW (mitsamt Hänger) vorausgefahren. Gerhard war aus Bonn per Flugzeug in Salzburg eingeschwebt. Dieter kämpfte am vorgesehenen Termin mit gesundheitlichen Problemen und war leicht verspätet im geliehenen Auto nach Königssee gefahren und über die Wasseralm aufgestiegen. Johannes und ich hatten uns in Ismaning bei München am S-Bahnhof getroffen und waren mit dem Auto von Joh. ebenfalls zum Königsseeparkplatz gefahren.

....soviel vorausgeschickt!

Die folgenden Ausführungen entstammen weitgehend meinem Tagebuch!

Fr. 24-06-2016 - Anfahrt / Aufstieg zur Wasseralm

Sa. 25-06-2016 - Weiterer Anstieg über Hörnlnieder zum HU-Biwak

Aufstieg zum Lager. Unsere drei Vorgänger waren bereits außerordentlich fleißig gewesen. In mehreren Gängen war technisches Material, hauptsächlich vom >Streikloch< und der >Phantomhöhle2< ausgebaut worden.

Als sich endlich alle fünfe am Abend im Plastikzelt unter der Plane eingefunden haben, da wird gut gelaunt das 'offizielle' BIWAKAbschiedsFEST gefeiert!! Sowas würde es hier oben und in dieser personellen Zusammensetzung wohl niemals mehr geben.

Draußen vor der Plane 'donnert' bereits seit einiger Zeit ein mächtiges alpines Gewitter - ganz so wie es sich zu diesem Anlaß gehört. Nachts grieselt patschnasser Schnee übers Gelände...

So. 26-06-2016 - Ausbau / Zeug sortieren / Sauwetter / >Eislaufhöhle<

Gnadenlos saut es den ganzen Tag über. Das kommt durchaus unseren ausgiebigen Sortierarbeiten zu Gute. Auch der komplette Wassersammler wird ausgebaut usw. Trotz leichtem Nebel und Regen ziehen Gerhard und Toni für ein paar Fotos rüber zur >Eislaufhöhle< im nahen Kar. Dicker Dunst wabbert durch die Höhle. Alles tropft sehr lästig und über dem großen Eisboden steht 'schuh-tief' das Schmelzwasser - schnell wieder zurück zur Küche!! Langsam klärt sich unser Lager.

Mo. 27-06-2016 - ....drei bleiben hier / zwei steigen eine Etage tiefer ab

Heute Nacht hatte es nochmals einen häßlichen Graupelschauer gegeben.

Ich mache den Vorschlag: Den heute absteigenden Udo auf dem Weg zur Mauerscharte durch Regenschauer und dicke Nebelsoße zu begleiten - sodaß wir beide wenigstens diese Strecke nicht alleine gehen müssen. Die verbleibenden Dieter, Johannes und Gerd kämen inzwischen sicher gut zurecht. Der Wetterbericht für unseren Flugtermin (Morgen!) lautete - Auflockerung, sogar mit etwas Sonne... Na bitte!

Udo und ich marschieren bei Sauwetter über den Hörnlnieder und das Albriedlhorn bis zur Mauerscharte. Der Udo muß rechts ab ins Blühnbachtal zu seinem Auto am 'Holzplatz' absteigen, wo er den Hubschrauber einweisen wird. Ich steige nach Westen ab in Richtung Schäferhütte. Abschied: B e i d e fürchten wir den grausligen Abstieg in der Soße....

Tschau!!

Ich lasse mir sehr viel ZEIT und gehe im zick-zack runter Richtung "Grübl". Durch Zufall finde ich glatt den seit 1970 verschollenen >Schäferschacht<, welcher von Ulli Fr. noch vor 1970 entdeckt und - bei unserer ersten Forschungswoche des VHM hier oben - bis etwa 100 m Tiefe erforscht worden ist. Finde sogar die inzwischen fast verblichene, mit roter Farbe markierte Hilfsnummer von damals >S7<, wo uns seinerzeit ein deftiger Schneesturm zunächst am Schäferhütterl eingeschneit und schließlich 'vertrieben' hatte.

Das war vor 46 Jahren gewesen....

Ich ziehe weiter nach unten und schaue auch noch kurz am neuesten FELSSTURZ (vom letzten Winter!) vor den Westabbrüchen der "Laawand" vorbei, um ein paar sehr aktuelle Fotos zu machen. ...dies ist aber nicht Inhalt dieses Berichtes! (Siehe demnächst unter 'Spurensuche'! Hier und im SCHLAZ!)

Am frühen Abend komme ich zum LK-Biwak. Es ist 'verwaist'! Niemand da!? Ich bin also der erste von der Truppe. So richte ich mich vor der Küchenplane im Biwak soweit ein, daß wenigstens ein gestrecktes Sitzbiwak unter dem vordersten Planenzipfel möglich wird. Schufte mich mit dem Schneespaten in den Abend - bevor ich mich leidlich einrichten kann. Rein in den uralten Schlafsack, die Füße stehen über und es regnet leicht. Also: Drei Paar Wollsocken an, Füße in die Regenhülle vom Rucksack rein und darüber die Regenjacke. Das dürfte reichen. Saukalt - friere bibbernd gut drei Stunden lang. Endlich seliger Schlaf nachdem die Füße warm geworden sind. Schlafe gut! Lediglich hungrige Mäuse kruschen im Brotzeitbeutel herum.

Di. 28-06-2016 - Dirk / Richy / 3-D-TestBILDER / Wasseralm

Schöner Morgen - sogar mit etwas Sonne. Es wäre tatsächlich gutes Flugwetter für die HU-Gruppe?

Im kleinen Opernglas sehe ich unten vor der 'Blauen Lacke' zwei aufsteigende Bergsteiger. Bald queren Dirk und Richy das Schneefeld vor dem Biwak. Sie hatten das letzte Schiff nicht erreichen können und waren, von der Mittelstation der Jennerbahn aus, mit den Fahrrädern bis nahe der Gotzenalm gekommen, und von da aus zu Fuß über die Wasseralm hierher. Auch nicht gerade der kürzeste Weg. Wir sind nun zu dritt und vollzählig. Plausch beim 2. Frühstück. Es eilt nicht! Wir sichten endlich unser vom Eis freigeschmolzenes Forschungsdepot, um unsere längst fällige Inventur zu machen. Das Forscherlager ist wieder für die kommende Saison bereit.

Nun wollen die beiden noch einige praktische Tests mit unterschiedlicher Ausleuchtung von einem völlig neuen „3-D-Vermessungsprogramm“ in zwei nahe gelegenen Höhlen vornehmen. Mit Erfolg!!

In dieser Zeit bin ich längst im Abstieg zur Wasseralm vorausmarschiert. Wir treffen uns am Abend vor der Hütte beim Bier, um im neuen Tablet von Dirk, die brandneuen Ergebnisse der Experimente zu bewundern! DA bahnt sich eine komplett neue Innovation der küftigen Vermessungstechnik in Höhlen an, bei der nicht einmal mehr die gewohnten MessZÜGE benötigt werden....

Tatsächlich sind wir alle zusammen heute Abend zu müde, um irgendwas groß zu feiern.

Früh in die Lager.

Als ich am Mi. 29-06-2016 aufstehe - da sind die beiden Bamberger längst im Hagengebirge unterwegs auf ihrem langen Weg nach Bamberg....

(....genaueres - siehe im übernächsten SCHLAZ!!)